Speicheldrüsenchirurgie
» siehe auch Bauchspeicheldrüse
Bis zu 90 Prozent des Speichels werden von den drei paarig angeordneten großen Speicheldrüsen produziert: Die Ohrspeicheldrüsen liegen beidseits vor dem Ohr, die Unterzungendrüsen im Mundboden unter der Zunge und die Unterkieferdrüsen befinden sich hinten an der Innenseite des Unterkiefers. Ihre Ausführgänge münden an verschiedenen Stellen in den Mundraum. Darüber hinaus besitzt der Mensch noch viele kleine Speicheldrüsen, beispielsweise in der Wangenschleimhaut, im Rachen und an den Lippen.
Der Speichel hat in unserem Organismus viele Funktionen. Zunächst verflüssigt er die von den Zähnen zerkleinerte Nahrung, was den Transport zur Speiseröhre und das Schlucken erleichtert. Die im Speichel enthaltenen Enzyme tragen außerdem einen nicht unerheblichen Teil zur Nahrungsverdauung bei. Des Weiteren dienen Immunglobuline, ebenfalls ein Bestandteil des Speichels, der Abwehr von Krankheitserregern im Mund- und Rachenraum. Außerdem enthält das flüssig-schleimige Sekret verschiedene Elektrolyte wie Natrium und Kalzium. Insgesamt werden jeden Tag etwa 1,5 - 2 Liter Speichel gebildet, wobei die Produktion im Tagesablauf stark schwankt. Nachts ist sie sehr gering, was sich oft am Morgen durch einen trockenen Mund bemerkbar macht, beim Essen steigt sie stark an.
In der Speicheldrüsenchirurgie werden therapeutische Maßnahmen zur Behandlung von Speicheldrüsenerkrankungen vorgenommen. Speicheldrüsenerkrankungen können sein:
- Speichelsteine. Sie treten in mehr als 90 Prozent der Fälle an den Unterkieferspeicheldrüsen auf. Die Größe dieser Ablagerungen kann nur wenige Millimeter aber auch mehrere Zentimeter betragen. Mögliche Ursachen sind durch Erkrankungen wie Gicht, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder erhöhte Kalziumwerte hervorgerufene Veränderungen der Zusammensetzung des Speichels, wiederholte Entzündungen oder ein permanenter Sekretstau. Manche Menschen scheinen auch eine generelle Neigung zur Steinbildung zu besitzen, sie entwickeln gleichzeitig noch Gallen- oder Nierensteine. Betroffen sind vor allem Männer zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Die Diagnose stellt der Arzt nach genauer Befragung des Patienten durch Tasten. Gesichert wird sie endgültig durch eine Ultraschalluntersuchung, die den Stein sichtbar macht. Kleine Steine versucht der Arzt zunächst durch medikamentöse Anregung des Speichelflusses auszuschwemmen. Größere Steine werden mittlerweile mit der sogenannten extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie behandelt, die sich schon lange in der Therapie von Nierensteinen bewährt hat. Bei diesem Verfahren, das für den Patienten völlig schmerzfrei ist, werden die Steine mit Hilfe von Druckwellen von außen zertrümmert. Die kleinen Bruchstücke gelangen auf natürlichem Wege mit dem Speichel aus der Drüse. Rund 90 Prozent der Betroffenen sind bereits nach einer Behandlung stein- und beschwerdefrei. Falls die Zertrümmerung nicht funktioniert, kann man die Steine auch schonend mit einem Endoskop entfernen.
- Speicheldrüsen-Entzündungen. Entzündungen sind die häufigsten Erkrankungen der Speicheldrüsen. Sie können durch Bakterien und Viren hervorgerufen werden. Zu den wichtigsten Ursachen einer Speicheldrüsen-Entzündung gehören Speichelsteine. Sie verlegen den Ausführgang der Drüse und es kommt zu einem Sekretstau. Im gestauten Sekret können sich Bakterien sehr schnell vermehren und so die Entzündung hervorrufen. Narben oder Tumore haben den gleichen Effekt. Außerdem vermindern einige Medikamente den Speichelfluss und erleichtern den Bakterien so die Ansiedlung. Beispiele sind bestimmte Antidepressiva oder die bei Allergien angewendeten Antihistaminika. Schlechte Mundhygiene und eine Entzündung der Mundschleimhaut (Stomatitis) begünstigen die Speicheldrüsenentzündung ebenfalls. Die häufigste virale Entzündung der Speicheldrüsen ist Mumps. Die Beschwerden geben dem Arzt den ersten Hinweis auf die Krankheit. Er betastet die Drüse. Absonderungen werden aus dem Ausführgang der Drüse entnommen und dann im Labor auf den auslösenden Erreger untersucht. Mit einer Ultraschalluntersuchung kann er dann klären, ob ein Speichelstein oder ein Tumor die Entzündung begünstigt hat. Bakterielle Speicheldrüsen-Entzündungen müssen immer behandelt werden, da sonst die Gefahr besteht, dass sich eine abgekapselte Eiterhöhle (Abszess) bildet, der dann in benachbarte Regionen wie den Gehörgang, den Mundraum, aber auch nach außen aufbrechen kann. Ein Abszess birgt zudem das Risiko, dass die Bakterien in die Umgebung oder gar ins Blut geraten. Letzteres kann eine unter Umständen lebensbedrohliche Blutvergiftung (Sepsis) nach sich ziehen. Unter der Therapie mit Antibiotika bildet sich eine bakterielle Speicheldrüsen-Entzündung in aller Regel binnen weniger Tage zurück. Die Behandlung viraler Entzündungen, also auch von Mumps, beschränkt sich auf die Linderung der Beschwerden. Kühlende Umschläge helfen gegen die Schmerzen und lassen die Drüse abschwellen. Zudem bekommen die Patienten antientzündliche Medikamente und Mittel, die den Speichelfluss anregen. Reichliches Trinken und eine sorgfältige Mundpflege beschleunigen die Heilung einer Speicheldrüsen-Entzündung ebenfalls. Hat sich aber bereits ein Abszess gebildet, muss der Arzt diesen operativ spalten.
- Speicheldrüsen-Tumore. Speicheldrüsen-Tumoren betreffen zu 80 Prozent die Ohrspeicheldrüse, können aber an allen Speicheldrüsen auftreten. Es gibt eine Vielzahl von Formen, die von den verschiedensten Gewebetypen ausgehen. Sie sind gutartig, ein Übergang in eine bösartige Krebserkrankung ist jedoch möglich. Tumoren machen sich oft zuerst durch eine nicht schmerzhafte Schwellung bemerkbar, die sich von außen tasten lässt. Wird der Ausführgang der Drüse durch die Geschwulst eingeengt, kann auch eine Speicheldrüsen-Entzündung der erste Hinweis sein. Um einen Tumor zu lokalisieren, untersucht der Arzt zunächst die Drüse mit Hilfe der » Sonographie. Anhand des Bildes erhält er schon erste Hinweise, ob es sich um einen gut- oder einen bösartigen Tumor handelt. Endgültige Sicherheit bringt eine Gewebeprobeentnahme. Weitere bildgebende Untersuchungsmethoden wie die Computertomographie oder die Magnetresonanztomographie dienen dazu, herauszufinden, wie weit der Tumor in das umliegende Gewebe eingewachsen ist und ob sich bereits Tochtergeschwülste gebildet haben. Die Behandlung besteht generell darin, den bösartigen Tumor vollständig zu entfernen. Die benachbarten Lymphknoten werden ebenfalls entfernt. Eine Strahlentherapie ergänzt in der Regel die operative Behandlung, doch leider sind längst nicht alle Tumortypen sensibel für die Strahlung.




